Windschattenratten

Veröffentlicht in ErFAHRungen

Hier wirds nun mal Zeit  über eine ErFAHRung zu berichten die viel mit radfahren aber wenig mit Material zu tun hatn. Es geht um Radfahrer auf die man während eines Trainings trifft und wo man sich wünscht das man sie besser nie getroffen hätte.

 

Als jemand der auch im Winter im Freien trainiert gewöhnt man sich daran allein zu trainieren, nicht belästigt zu werden, seine Ruhe zu haben. Im Winter, bei etlichen Grad unter 0, ist man im Normalfall allein beim Radtraining im Freien. Es gibt nämlich nur wenige Deppen die im Winter im Freien fahren. Und das ist gut so, es ist irgendwie „schön“ sein Grundlagentraining mit guter Musik auf leeren Seitenstraßen abzuspulen. Das kann durchaus was.

Geht’s dann Richtung Frühling, steigen die Temperaturen auf 10°C und mehr, kommen Leut wieder aus den Löchern die man vorher, in den Wintermonaten, nie zu Gesicht bekommen hat. Es kommen die Leut raus die schnell mal die Bikinifigur erradeln wollen, das versäumte Training der letzten 10 Jahre nachholen möchten, übermotivierte Neueinsteiger sind oder glauben es wäre nun an der Zeit sich auf den ersten WM Titel vorzubereiten.

Und viele von denen die mit den ersten Sonnenstrahlen plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheinen sind Windschattenratten. Nun hört sich das Wort irgendwie negativ an, viele meiner Radfahrkollegen haben mit den Windschattenratten auch so das eine oder andere Problem. ICH hingegen mag diese Windschattenratten aber eigentlich, wieso das so ist erkläre ich nun mal.

Als Windschattenratten bezeichne ich Fahrer die locker durch die Gegend fahren, bei weitem langsamer unterwegs sind als man selber. Was jo mal grundsätzlich vollkommen in Ordnung ist. Kaum überholt man diese Windschattenratten aber hängens sich in den Windschatten und rollen hinter einem mit. So, ärgert mich das? Nein tut es nicht denn Windschattenratten genießen es einfach mal schnell unterwegs zu sein weil ihnen dazu alleine fahrend, im Wind radelnd, einfach die Leistung fehlt. Diese Windschattenratten haben aber eine SEHR SEHR gute Eigenschaft. Sie geben Ruhe. Sie hängen hinten im Windschatten, ruhig, belästigen einen nicht, rollen einfach mit. Sie sind da - sie tun einem aber nix, sie haben keinen Einfluss auf das eigene Training. Und wenns nette Windschattenratten sind bedanken sie sich noch kurz bevor sie dann irgendwo anders hin abbiegen. Eine friedliche Koexistenz.

Fazit: ich mags, die Windschattenratten. Denn ich mag jeden der mir nix tut *g*

 

Aber es gibt auch eine andere Spezies von Windschattenprofiteuren. Und das sind leider echte Plagegeister, wahre Parasiten. Richtige Störenfriede, Leut die mir RICHTIG auf den Zeiger gehen. Und wieso gehen mir die einen auf den Zeiger und die anderen nicht? Das ist auch schnell erklärt.

Folgende Situation: man fährt ein entspanntes Grundlagentraining, wattgesteuert, man tritt also immer genau mit gleicher Leistung. Locker rollend nähert man sich einem Radfahrer, zunächst kann man den noch nicht einstufen, Windschattenratte oder echter Störenfried-das sieht man (leider) nicht sofort. Die Kerle sind nicht nämlich nicht gekennzeichnet-ich wäre übrigens für deutliche Kennzeichnung der Parasiten. Totenkopf am Trikot oder sowas in der Art würde ich als passend empfinden.

Man fährt also mal entspannt vorbei, grüß, man ist jo freundlich. Und ab nun wird’s spannend. Egal welcher Type (Windschattenratte oder Parasit) der überholte Kollege angehört beginnt das Spiel nun mal damit das er sich hinter einem in den Windschatten wirft. Soweit also noch nix passiert.

Nun heißt es abwarten. Die heiße, spannende, Phase dauert nun ca. 5 min. Die Windschattenratte fährt hinter einem und bleibt dort auch, unauffällig, vom Windschatten profitierend genießt der Kerl den Windschatten, rollt locker mit und das wars. Und wenn nun aber, nach ca. 5min, der Kollege von hinten plötzlich nach vorne kommt DANN ist alles klar: ein Parasit. Ein Störenfried mit dem man sich nun leider auseinandersetzen muss. Der sich nun mal 5min ausgerastet hat und nun beginnt rumzunerven.

Der Parasit überholt also, will wohl zeigen das er schneller fahren kann als man selber grad unterwegs ist. Wieso er mir das zeigen will? Ich hab keine Ahnung, ich werde es nie verstehen wieso man zuerst langsam rumgurkt und kaum, wird man überholt, sein Training anpasst und meint schneller fahren zu müssen. Vielleicht will der Parasit jo mir und der Welt etwas zeigen, mir und dem Rest der Welt ist aber eigentlich scheissegal wie schnell der Pfosten fahren kann.

Ok, der Parasit überholt also, kommt „grad mal so“ an einem vorbei weil er schon während des Überholens merkt: „ui Gegenwind“. No so eine Überraschung, ohne Windschatten gibt’s Wind und Wind macht langsamer-man glaubt es kaum.

So, kaum vorbei schneidet er vor einem rein und gibt einem Windschatten – den ich eigentlich nicht will. Denn ich fahre wattgesteuert und im Windschatten ist das ein wenig ungut zu steuern.

Aber gut, der Parasit hat mir nun also machtvoll gezeigt: ICH KANN AUCH VORNE FAHREN. Wunderbar du Vollpfosten, ich bin beeindruckt. Kaum ist dieses Kapitel, das Überholen und das vorne fahren für gefühlte 60 Sekunden, abgeschlossen schwenkt der Psycho wieder aus und lässt sich wieder zurückfallen, hängt erneut im Windschatten. Es dauern keine 2 oder 3 Minuten kommt er wieder, fährt links vor, setzt sich vor einem rein um gleich wieder auszuschwenken und sich wieder hinten einzureihen. Ständig nervt diese Spezies mit „überholen, zurückfallen, überholen, zurückfallen“. Selbstredend merkt so ein „Vollprofi“ auch nicht das ich nicht „einsteige“, dass ich einfach meine Ruhe haben will um mein Training perfekt abzuspulen. Die Kerle nehmen einem die Ruhe, die Entspanntheit, die ein gepflegtes Grundlagentraining mit sich bringt-und das macht mich böse.

Das eigene Training wird durch solche Parasiten extrem beeinflusst, die schöne Einsamkeit geht verloren und auch unrhythmisch wird’s, weil dir dieser ungute Kerl immer im Weg ist.

Aber NATÜRLICH ist das bei weitem noch nicht alles denn der Parasit wird, obwohl er nur Müll zusammenfährt, trotzdem (oder wohl eher: gerade deswegen) müde. Denn diese Spinner sind meist eher keine sonderlich guten Radfahrer und geben sich durch diese ständigen Tempowechsel wohl den Rest. Die Ratte merkt nun dass das ständige Vorfahren immer schwieriger wird und nun kommt man in die Phase 2 des „am Arsch gehens“. Wir kommen nun in die Phase des „aktiven am Arsch gehens“.

Also: Parasit kommt wieder von hinten, auf eigener Höhe schaut er plötzlich zu einem rüber (hier zucke ich innerlich schon zusammen, weiß ich doch genau weiß was nun kommt) und beginnt zu reden. Fast immer geht das Gespräch gleich los:

Ein Gruß, gepaart mit der Frage „Wo geht’s hin?“ Wenn das do abläuft ist eines klar: der Parasit ist müde, will durch ein Gespräch das Tempo verlangsamen und meint dass ich so dämlich bin und diese primitive Taktik nicht durchschaue. Fehlanzeige du Luschn, ich weiß das du müde bist und mich verlangsamen willst.

Ich reagiere immer gleich: ich sage nur: „Ich hab nen mp3 pPayer im Ohr, ich hör nix“. Dabei vermeide ich bewusst jeden Blickkontakt. Jedem halbwegs normalen Menschen ist nun folgendes klar.

„Der schaut mi ned an, der redet ned wirklich mit mir, der schaltet den mp3 Player nicht ab, ok-der mog mi im Moment ned“.

Jemanden nicht anzuschauen beim Reden ist ein eindeutiges Zeichen, eine klare Aussage, Körpersprache die JEDER verstehen sollte. Wer nicht komplett auf der Nudelsuppe daher geschwommen ist weiß das dies bedeutet „OIDA loss mi in Ruah“

Nicht so der Parasit. Der Parasit hakt nach, zumeist mit einer superintelligenten Frage ala: „Wos issn des für a Radl?“

Ich reagiere hier unterschiedlich, je nachdem welches Rad ich gerade fahre. Steht die Radmarke groß am Rahmen, wie bei meinem alten Speci S-Works Gerät, schmettere ich ein unfreundliches „steht am Rahmen“ zurück.

Steht der Firmenname nur schwer sichtbar am Rad, wie bei meinem Rose, gibt’s als Antwort ein alles sagendes „a Rennradl“ zurück. Nun sollte man meinen das auch dem größten Depp spätestens jetzt klar ist das er mir grad gehörig auf den Zeiger geht. Aber weit gefehlt. Der Parasit gibt nicht auf, keine Ahnung ob diese Leute neue Freunde suchen, niemanden zum Reden haben, durch das grüßen meinerseits-beim ersten Überholvorgang, glauben das ich mich spontan in sie verliebt hätte. Ich weiß es wirklich nicht.

Ich weiß nur das die lustige Fragestunde sehr oft, trotz meiner eindeutigen „geh scheissen“ Signale, weitergeht. Es kommen sehr oft weitere superintelligente Fragen ala „fährst du viel?“

Ich denk mir dann immer „Nein ich fahre wenig du lästiger Hund, darum fahr ich auch bei einem Grundlagentraining so schnell das ich dich vorher mit gefühlten 10kmh Geschwindigkeitsüberschuß überholt hab“.  Sagen tu ich aber nix mehr, ich versuchs ab diesem Moment dann mit ignorieren bzw. deute ab und zu auf meine Ohrstöpsel. Das ich bereits vorher erwähnt hab das ich einen mp3 Player im Ohr hab hat der Parasit nämlich wohl schon längst vergessen. Oder zumindest verdrängt. Eh kloar.

Ich hab keine Ahnung was diese Leute reitet, Suche nach neuen Freunden? Sorgt mein Grüßen beim Überholen für Hormonausschüttungen und wird als verschlüsselter Heiratsantrag aufgefasst? Wird ein Gruß als Gesprächsaufforderung verstanden?

Liebe Parasiten - wollts sportliche Leut kennenlernen geht’s in einen Sportverein, es gibt Datingplattformen, Internetportale zum Thema „gemeinsame sprtliche Aktivitäten“, es gibt Kaffeehäuser usw. Aber lasst doch harmlose Radfahrer beim Training in Ruhe.

Das Gute: diese Parasiten sind fast immer nur von März bis April unterwegs. Denn vorher ist zu kalt, ab Mai dann zu warm. Auch verschwindet bei diesen Leute die Motivation recht schnell wenn sie erkennen das man mit 10mal Radfahren kein Radfahrer wird und das man mit belästigen von Radfahrern auch keine neuen Freunde gewinnen kann.

Somit braucht man sich mit denen nicht den ganzen Sommer auseinandersetzen aber im Frühling, wenns warm wird, gehen mir diese Leut sowas von auf den Arsch das ich dem nun mal ein paar Zeilen widmen musste.

UND JA heute, am 12.03.2016, hab ich wieder so einen unguten Freak getroffen, überholt und erst nach 10km überzeugen können das ich ein SUPERUnsympathler bin und das wir keine Freunde werden.